11.12.13

von / Mittwoch, 11 Dezember 2013 / Veröffentlicht inBlog

Stichwort Asylanten – erstaunlich, wie meine aktuellen Erfahrungen rund ums DrüRadKafi wiederum zu einem aktuellen Thema aus den Medien passen (beruht vermutlich auf einer leichten „déformation professionelle“…).
Aus dem Zeitungsblätter-Wald die News, dass ab anfangs Jahr in Zürich ein schnelleres Asylverfahren seinen Test-Lauf nimmt. Angesichts meiner eher erschreckenden Erfahrung kürzlich ein auf den allerersten Blick begrüssendes Projekt für mich (wenn man davon ausgeht, dass es schneller mit einer allfälligen Ausweisung geht); da läuft eine finstere Gestalt – schätzungsweise mit südamerikanischen Wurzeln – an einer meiner Piaggio-Einsätze vorbei, bleibt stehen, schaut noch finsterer, und klickt schliesslich mit einer Kamera ein paar Mal in meine Richtung. Und als ich mit „ehm..Dir…!“ beginne, schaut sie mich ausgesprochen finster an, macht absatzkehrt und einen entsprechend hurtigen Abgang.
Nun die andere, erfreuliche Erfahrung, an welche ich mich hingegen gern zurückerinnere (und daher das gschwindere Asylverfahren für mich handkehrum grad wieder in Frage gestellt wird) – ich nenne sie; die Spitalpflege und seine Gesichter – vor ein paar Wochen komme ich frisch erholt vom Spitalbett aus einem Zürcher Spital zurück an meinen DrüRadKafi-Bürotisch. Und frage mich, ob “das” bei meinem letzten mehrtägigen Klinik-Aufenthalt vor vier Jahren auch schon so war?! Notabene im selben Krankenhaus – damals allerdings auf der Geburten-Abteilung (und daher das Drumherum nicht mehr in voller Erinnerung, da der Fokus natürlich ganz woanders). Mit “das” meine ich die unglaubliche Multi-Kulti-Betreuung, welche mich in jenen fünfeinhalb Tagen rund um die Uhr begleitete und pflegte. Zu meiner vollsten Zufriedenheit übrigens.
Angefangen beim Eintritt frühmorgens; da nahm mich immerhin noch eine nette Schweizerin in Empfang und führte mich zu meinem temporären Spitalbett nahe des OP-Saals. Aber dann ging’s los; der dortige lustige Pfleger, ich meine mit italienischem Einschlag, fuhr mich zur OP-Schleuse. Dort wartete ein sympathischer Anästhesie-Assistent mit vermutlich tunesischen Wurzeln. Die einfühlsame Anästhesie-Ärztin selber war immerhin die zweite Schweizerin an jenem Morgen. Bereits im OP drin dann begrüsste mich mein deutscher Arzt und seine deutsche Kollegin – das war nicht überraschend, das wusste ich natürlich schon vorher. Dann jedoch, wieder im Spitalbett nach dem Aufwachen, wartete eine herzige Oesterreicherin auf mich – ihre Sprache war sehr einfach einzuordnen. In ihrer Begleitung ein junger, schnusiger Realschüler auf Schnupper-Kurs für den Pflege-Job – ein vermutlich spanischer oder italienischer Secondo Vigilix remote , mit total astreinem Züridütsch.
So drehte sich dieses Multi-Kulti-Pflege-Karussell während meines Aufenthalts munter weiter, mit Früh-, Spät- und Nacht-Schichten und somit in regem Personal-Wechsel mit schliesslich zusammengezählt vier schweizerdeutsch und zehn (!) mehr oder weniger gebrochenem Hochdeutsch sprechenden PflegerInnen. Vom freundlichem ausschliesslich ausländischen Reinigungspersonal gar nicht zu reden.
Kurzum; ich habe mich ausgesprochen gut umsorgt gefühlt – wenn auch mit hin und wieder klitzekleinen Verständigungsschwierigkeiten. Trotz “Kranksein” kam es mir fast vor wie eine kleine, nette Ferien-Reise, einfach ohne Sehenswürdigkeiten.
Wie bei so vielen Themen habe ich mir längst abgewöhnt, ein schnelles Urteil zu fällen, ohne nicht vorgängig am eigenen Leib entsprechende Erfahrungen in alle Richtungen gemacht zu haben – nur vom Hörensagen in ein Horn zu blasen geht gar nicht!
Ich sammle also eifrig weitere Erfahrungen und enthalte mich zum Thema Asylanten beim aktuellen Stand von 1:1 fürs erste meiner Stimme.

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