18.01.19

von / Freitag, 18 Januar 2019 / Veröffentlicht inBlog

Mit mentaler Stärke zum persönlichen Erfolgserlebnis. So kürzlich geschehen in Zürichs City, dank meines fortschreitenden Alters. Und wegen meines fortschreitenden Alters. Also eigentlich eine Geschichte, erzählt mit lachendem und weinendem Auge zugleich.

Als Midagerin stelle ich nämlich seit neustem irgendwelche Fältli in meinem Gesicht fest, welche zunehmend unvorteilhaft wirken. Und genau zu diesem Zeitpunkt laufe ich einem Beauty-Trainée – wie er sich selber nennt – in die Arme, welcher vor seinem Shop nach potentieller Kundschaft Ausschau hält. Als ob auf meiner Stirn in grossen Buchstaben „Help me, I am getting older…“ oder so ähnlich stehen würde. Jedenfalls finde ich mich schneller auf dem Beauty-Stuhl wieder, als mir lieb ist. Mit einem Cappuccino to go in der Hand. Und werde vom schnuckeligen Herr just auf jene Fältchen rund um meine Augen angesprochen. Ich frage mich innerlich, wieso ich in diese Strasse eingebogen bin, welche ich sonst nie nehme. Denn, obwohl ich schon beim Hineinlaufen gegenüber dem adretten Mann erwähne, dass ich kein Budget für Crèmes vorrätig hätte, fühle ich mich bereits etwas unter Druck. Was, wenn der mir nun etwas „Bahnbrechendes“ vorstellt ? Und genau so kommt es…ein Hauch von Crème wird mir einseitig aufgetragen, begleitet von fachspezifischen Erklärungen („… und geht tiefer in die Hautschichten wegen jenem speziellen Inhaltsstoff, all natural, you know…“), welche sogar mir einleuchten. Und das Resultat im Vergleich zu links-rechts; einfach nur wow ! Zumindest kurzfristig. Meine allgemeine Skepsis gegenüber teuren Crèmes (ich benutze eine Gesichtscreme, morgens wie abends) gerät ins Wanken. Ich rechne in Gedanken aus, was mir ein solches Anti-Aging-Lift-up-Boost-Tübli wert ist. Obwohl ich wie eingangs erwähnt eigentlich gar nicht bereit bin, mir dafür Budget zu gewähren. Grad geht mir noch vieles mehr durch den Kopf…wie einfach ein guter und überzeugender Verkäufer stets zu seinem Ziel kommen könnte zum Beispiel…und wohl genau deshalb diese Enkel-Trick-Betrüger vielfach eben erfolgreich sind…und warum ich überhaupt immer noch auf diesem Hochstuhl sitze, wo ich doch gar keine Zeit habe dafür. Ich sortiere meine Gedanken, forciere und komme zum Punkt, indem ich frage, was das Wunder-Tübli denn koste. Der Betrag, welcher mir dann der nette Jüngling nennt – und wovon ich mir glatt einen Europa-Städte-Trip zu zweit leisten könnte – hält mich davon ab, der Versuchung zu erliegen. Auch sein letzter Anlauf beim Aushändigen seiner Visitenkarte mit den Worten „I will do for you a late Christmas present…“ und er gäbe mir 30 Prozent, bleibt bei mir ohne Erfolg. Würde übrigens immer noch für einen Städte-Trip reichen (einfach mit einer Nacht weniger…).

Well done, sage ich zu mir und meiner Haltung – und zu der Zeit eines noch faltenlosen Gesichts ich dies nämlich so nicht geschafft hätte (nun, die Geschichte wäre dann wohl auch eine andere gewesen…). So oder so, mit Lebenserfahrung wächst eben auch die mentale Stärke. Und dies ist das lachende Auge.

Ich überlege grad ernsthaft, ob ich einen City-Trip planen soll…

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